Der Hitler- Mythos. Führerkult und Volksmeinung. by Ian Kershaw

By Ian Kershaw

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65 Diese »alten Kämpfer« waren natürlich Extremfälle der Anfälligkeit für den Hitlerkult. Das rasche Ansteigen der Parteimitgliedschaft zwischen 1930 und 1933 bedeutete jedoch, daß eine ständig wachsende Zahl von Deutschen dem »Führer-Mythos« zu erliegen begann. Von 1930 an mußte man Hitler als politische Macht in Deutschland ernst nehmen. Während die nicht-nationalsozialistische Presse vorher Hitler und der NSDAP kaum Beachtung geschenkt hatte, tauchte Hitler ab 1930 regelmäßig in den Schlagzeilen auf – ein augenscheinlicher Beleg für die Verbreitung des Gefühls, daß er eine außerordentliche und nicht zu ignorierende politische Figur war, ob man für oder gegen ihn war.

Goebbels hatte im selben Jahr befürchtet, die Partei könne Gefahr laufen, sich in den Wahlen »zu Tode zu gewinnen«121, aber als die Propagandamaschinerie für den fünften großen Wahlkampf des Jahres in Gang gekommen war, schien die Eroberung der Regierungsmacht weit entfernt. Insbesondere nach Hitlers Ablehnung des Vizekanzlerpostens, den ihm der Reichspräsident bei einem Treffen am 13. 124 Diese kritische Phase zeigt, wie sehr das konstruierte »Charisma« Hitlers von einer Faktorenkombination abhängig war, wie zerbrechlich es war und wie es nur durch anhaltenden Erfolg aufrechterhalten werden konnte.

Die Opposition versuchte, das Pressemonopol der Regierung mit heimgedruckten Flugblättern, Schmierereien an den Fabrikmauern und Klosprüchen zu bekämpfen. Allerdings hatte die zunehmend offensichtliche Unangemessenheit der simplen Darstellung Hitlers als bloßen Agenten des Monopolkapitals großen Anteil an der Orientierungslosigkeit der Linken nach 1933 und ihren Schwierigkeiten, eine realistische Analyse der Machtstrukturen des neuen Regimes zu liefern. Bekanntlich leistete neben der organisierten Arbeiterschaft die katholische Subkultur dem Eindringen der Nationalsozialisten den größten Widerstand.

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