Der Untergeher. by Thomas Bernhard

By Thomas Bernhard

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So hatte er immer nur die Möglichkeit, nach Traich auszuweichen, aber in Traich war alles noch viel schlimmer für ihn. Sozusagen allein mit den Geisteswissenschaften in Traich mußte er zugrunde gehen. Mit seiner Schwester zusammen ja, aber nur mit seinen Geisteswissenschaften allein in Traich, nein, dachte ich. Die Stadt Chur, die er überhaupt nicht gekannt hat, hat er schließlich so gehaßt, allein den Namen der Stadt Chur, das Wort Chur, daß er hinfahren mußte, um sich umzubringen, dachte ich.

Mit ganz kleinen Einfällen auf die ganz große Wirkung abzielen und die Menschheit betrügen, sagte er, dachte ich. Im Grunde bin ich nichts anderes, als einer dieser gemeingefährlichen Aphoristiker, die sich mit ihrer grenzenlosen Skrupellosigkeit und mit ihrer heillosen Frechheit unter die Philosophen mischen wie die Hirschkäfer unter die Hirsche, sagte er, dachte ich. Wenn wir nichts mehr trinken, verdursten wir, wenn wir nichts mehr essen, verhungern wir, sagte er, auf diese Weisheiten laufen alle diese Aphorismen hinaus, es sei denn, sie sind von Novalis, aber auch Novalis hat viel Unsinn geredet, so er, dachte ich.

Und wer weiß, dachte ich, ob mich überhaupt jemand in das Jagdhaus hineinläßt, denn zweifellos sind längst die neuen Besitzer da und empfangen niemanden, am wenigsten mich, der ich ihnen immer verhaßt gewesen war, wie ich weiß, denn Wertheimer hatte mir ja seine Verwandten immer so geschildert, daß ich annehmen mußte, sie haßten mich genauso wie ihn selbst und sie betrachten mich jetzt wahrscheinlich mit Recht als den ungehörigsten Eindringling aller, dachte ich. Ich hätte nach Madrid zurückfliegen und diese völlig überflüssige Reise nach Traich nicht unternehmen sollen, dachte ich.

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