Jugend und soziale Bewegung: Zur politischen Soziologie der by Klaus-Jürgen Scherer

By Klaus-Jürgen Scherer

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Faktum, daß im 20. Jahrhundert sozialer Wandel - zunächst besonders in der deutschen Geschichte, heute allgemein in der fortgeschrittenen Moderne - wesentlich durch die bewegte Jugend mitbeeinflußt wurde und wird. Zwar ist der Zusammenhang von Jugend und sozialer Bewegung zu facettenreich, um hier allumfassend behandelt zu werden. Doch soll diese Studie zentrale Bausteine zum Verständnis dieses Verhältnisses, das bisher derart noch nicht im Mittelpunkt einer politisch-soziologischen Betrachtung stand, zusammentragen. Das Fehlen einer systematischen Verknüpfung von Jugend und sozialer Bewegung ist auffällig, weil es im Kontrast steht (1) zu einer ganzen Reihe von historischen Arbeiten über die Entwick­ lung der klassischen deutschen Jugendbewegung, (2) zu einer kaum mehr überschaubaren jugendsoziologischen Literatur, die die je­ weils gegenwärtige Jugend analysiert, sowie (3) zu einem Auf­ schwung der politologischen Forschung und Reflexion über soziale Bewegungen in den letzten Jahren. Offensichtlich lagen diesen wissenschaftlichen Fragestellungen eindeutigere und drängendere Motivlagen zugrunde: (1) Die histo­ rische Aufarbeitung der traditionellen deutschen Jugendbewegung warfare durch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und die Schuldfrage überlagert - entweder sollte eine Wurzel der braunen Barbarei freigelegt werden oder der jugendbewegte suggestion­ lismus sollte nachträglich vor der Vereinnahmung durch die Nazis in Schutz genommen werden. (2) Die seit der zweiten Hälfte der sechziger Jahre explosionsartig angewachsene Jugendforschung, die die vielfältigsten kulturellen, psychologischen, soziologischen and so forth. Aspekte von Jugend oft ausgehend von empirischen Daten interpretierte, korrespondiert mit der zunehmenden Bedeutung der sich offenbar immer schneller wandelnden jungen Generatio­ nen für die Bewältigung der gesellschaftlichen Zukunft.

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Jugend und soziale Bewegung: Zur politischen Soziologie der bewegten Jugend in Deutschland

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Faktum, daß im 20. Jahrhundert sozialer Wandel - zunächst besonders in der deutschen Geschichte, heute allgemein in der fortgeschrittenen Moderne - wesentlich durch die bewegte Jugend mitbeeinflußt wurde und wird. Zwar ist der Zusammenhang von Jugend und sozialer Bewegung zu facettenreich, um hier allumfassend behandelt zu werden.

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Albert Salomon (1891-1966), deutsch-jüdischer Soziologie und Herausgeber der Zeitschrift "Die Gesellschaft", warfare nach seiner Emigration 1935 Professor an der New institution for Social examine in long island, wo er in alteuropäischer culture eine humanistische Soziologie begründete. Diese fünfbändige textkritische version ist die erste Ausgabe seiner gesammelten Werke.

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Zusammengefaßt. Diese beiden konträren Interpretationen verweisen auf verschiedene Erkenntnisinteressen in der neueren Bewegungsforschung, deren unterschiedliche Herangehensweisen allerdings zur Thematisierung typischer Teilaspekte führen. Die Kritik von Stöss sollte anregen, nicht nur über die Konjunkturhaftigkeit sozialer Bewegungen, sondern auch über die konjunkturellen Moden der wissenschaftlichen Thematisierung derartiger sozialer Phänomene - wie dies etwa Stephan Ruß-Mahl (1982) modelltheoretisch versucht hat - nachzudenken.

Unser Begriff von sozialer Bewegung enthält keine Bestimmung der Bewegung durch ihre Haltung zu dem bestehenden System gesellschaftlicher Ordnung. " (Allerbeck 1973: 38) Die Definition Ottheim Rammstedts klammerte diese umstrittene Frage, inwieweit Radikalität für eine soziale Bewegung konstitutiv ist, aus. Er beschäftigte sich mit dem Ablaufprozeß der Bewegungen, die immer über einen Anfang und ein Ende verfügen würden. : 130) Im Mittelpunkt fast aller sich auf die Organisationsstruktur beziehenden Definitionen steht der soziologische Begriff der Gruppe.

Diese Meinungen sind die Basis unterschiedlicher Verhaltenstypen (vom Sich-Aufführen der Masse bis hin zu revolutionären Bewegungen), deren Zielsetzung es ist, das Gleichgewicht auf der Systemebene, das von der Funktionsstörung berührt war, wieder herzustellen. Die kollektive Aktion ist so einer der Anpassungsmechanismen des Systems, sie stellt eine Bedingung der Restrukturierung des gesellschaftlichen Feldes dar. ; Übers. d. ) Trotz des doppelten Defizits dieser abstrakt-theoretischen Erklärungsansätze trugen sie zunächst zu einer innovativen Reflexion über soziale Bewegungen im Prozeß des Wandels der modernen Gesellschaft bei.

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